Gesund Leben

Pflanzliche Helfer für Verdauung und Lebensenergie

 

In fast allen Pflanzen und Pflanzenfamilien kommen ursprünglich Stoffe vor, die einen bitteren Geschmack auf der Zunge verursachen. Diese Stoffe dienen den Pflanzen als Schutz vor Fraßfeinden. Der bittere Geschmack soll signalisieren: „Iss mich nicht! – Ich bin giftig.“ Die wenigsten Bitterstoffe sind jedoch tatsächlich giftig – im Gegenteil. Inzwischen wissen wir, dass wir eigentlich zu wenig von ihnen aufnehmen. In unserer heutigen Nahrung geht nämlich ein großer Gesundheitswert dadurch verloren, dass aus vielen Lebensmitteln bittere Anteile herausgezüchtet werden, um die geschmackliche Akzeptanz bei der zahlenden Kundschaft zu erhöhen. So haben einige Gemüse-Sorten, beispielsweise Salate, heute ihre aromatische Vielfalt und damit auch viel von ihrem Wert für unser Wohlbefinden eingebüßt. Lange Lieferwege und Lagerzeiten sorgen zusätzlich dafür, dass gerade bei empfindlichem Blattgemüse nicht mehr viele Inhaltsstoffe tatsächlich auf dem Teller ankommen.

 

Die Eigenschaften von Bitterstoffen

 

Dass Bitterstoffe gut für die Verdauung sind, ist hinreichend bekannt. Die Pflanzenstoffe mit dem markanten Geschmack können jedoch noch viel mehr für unsere Gesundheit tun. Einige dieser Substanzen haben immunmodulierende Wirkungen, andere sind antimikrobiell, wir finden unter ihnen schmerzlindernde Komponenten und starke Wundheiler. Paracelsus wusste bereits: „Bitter macht das Herze froh“. Und schließlich unterstützen sie eben unsere Verdauungsorgane umfassend, indem der Fluss der Verdauungssäfte angeregt und die Beweglichkeit der Organschleimhäute gesteigert werden. Dadurch wird die Aufnahme wertvoller Nahrungsinhalte verbessert und die Lebenskraft grundlegend gefördert.

 

Wollen wir diese wertvollen Pflanzenstoffe wieder in unseren Alltag integrieren, können wir alte originale Salatsorten im Garten oder im Balkonkasten kultivieren und unsere Küche durch frische und getrocknete Kräuter bereichern, mit denen wir unsere Speisen aufwerten. Bitterstoffe haben den Vorteil, dass sie gut wasserlöslich sind und damit leicht verfügbar gemacht werden können, beispielsweise in Kräutertees oder alkoholischen und wässrigen Pflanzenauszügen.

 

Als sanfter Einstieg zur Gewöhnung an den inzwischen ungewohnten Geschmack von Bitterkräutern kann Basilikum (Ocimum basilicum) als Küchenkraut genannt werden. Die ausgesprochen schmackhafte Ergänzung für Salate und Tomatengerichte ist durch ihr mild-bitteres Aroma sehr beliebt. Frisches Basilikum enthält neben wertvollen Vitaminen und Mineralstoffen auch gesunde Flavonoide und antimikrobielle ätherische Öle. Damit hält es Fäulnisbakterien von Speisen fern und unterstützt unsere Darmflora. Außerdem hilft es gegen Blähungen und kann sogar bei leichter Migräne Linderung bringen. Es stärkt die Nerven und fördert die Hingabe, weshalb die Pflanze als mildes Aphrodisiakum vor allem für stressgeplagte Menschen verwendet wird. Damit es seine Kraft voll entfalten kann, sollte dieses Kraut frisch verwendet und den Speisen erst nach dem Kochvorgang zugegeben werden. Bei der Trocknung geht ein Großteil des Aromas und auch der gesundheitsfördernden Wirkungen verloren.

 

Auch andere Küchenkräuter – frisch verwendet – bringen Bitterstoffe und weitere wertvolle Inhaltsstoffe auf den Teller und können damit als „Superfood-Aufwertung“ für so manches Menü verwendet werden. Wenn es um die reine Anreicherung mit Bitterstoffen geht, so können viele Kräuter auch getrocknet zum Einsatz kommen. Der Beifuß (Artemisia vulgaris), der die Weihnachtsgans verträglicher macht, und das Lorbeerblatt, dass nach dem Kochen aus den Speisen entfernt wird, sind Beispiele für die Verwendung von bekannten Bitterstoffpflanzen in der Küche. Vielleicht haben Sie ja Lust, mal eine Prise einer Bitterkrautmischung (siehe Rezept) als Gewürz zu Ihrem Salatdressing oder zur Pasta-Sauce zu geben. Starten Sie mit kleinen Mengen und tasten Sie sich vorsichtig an höhere Dosen heran. Sie werden überrascht sein, wie angenehm das die Geschmacksvielfalt in Ihrem Alltag bereichert.

 

Auch als Getränk können wir erlernen, den bitteren Geschmack wieder als angenehm zu empfinden. Für Kaffee-Liebhaber ist beispielsweise die Wegwarte (Cichorium intybus) eine mögliche Alternative oder Ergänzung. Ihre Wurzel wird getrocknet und pulverisiert als koffeinfreier Ersatz für Bohnenkaffee verwendet. Die hübsche Blüh-Pflanze kann als Kardinalmittel zur Unterstützung der Bauchspeicheldrüse gesehen werden. Sie hilft Schwermetalle ausleiten, die das toxinsensible Organ belasten. Zudem stärkt sie die Leber und hilft laut alter Kräuterbücher sogar bei Gelbsucht. Neben blutreinigenden Rezepturen lobt die Volksheilkunde die Wurzel auch bei Stoffwechselentgleisungen, Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden. Nicht nur wegen des hohen Gehaltes an Inulin, einem Ballaststoff, der den Bakterien im menschlichen Dickdarm als Nahrungsmittel dient, ist der Korbblütler ein wichtiges Therapeutikum für den Darm. Cichorium wirkt blähungswidrig und dank ihrer Schleimstoffe beruhigend auf die Darmschleimhaut.

 

Für diejenigen, die Tee bevorzugen, ist die Schafgarbe (Achillea millefolium) eine feine Bitterpflanze, die nicht nur die Verdauungsorgane reguliert. Sie hilft Frauen in hormonellen Schieflagen, unterstützt die körpereigene Säure-Basen-Balance und ist eine große Wundheilerin. Da sie wie ihre große Schwester, die Kamille, stark gegen Keime wirkt, ist sie eine zuverlässige Unterstützung bei Entzündungen aller Art und ein Erste-Hilfe-Mittel, um nach operativen Eingriffen schnell wieder auf die Beine zu kommen. Als Tee wird einfach ein Teelöffel des getrockneten Krautes inklusive Blüten je Tasse mit kochendem Wasser übergossen. Nach 7-10 Minuten kann der Aufguss abgeseiht und getrunken werden. Der Bittergeschmack wird intensiver, je länger das Kraut im heißen Wasser zieht. Eine Kur mit zwei bis vier Tassen täglich empfiehlt sich auch immer dann, wenn beispielsweise eine Antibiotikatherapie nicht vermieden werden konnte. Die Schafgarbe hilft hier, das gestörte Darmmilieu wieder zu regulieren. Bei notwendigen Aufenthalten im Krankenhaus kann pulverisierte Schafgarbe (ebenfalls 1 TL pro Tasse) in heißem Wasser aufgegossen werden. Das intensiviert den bitteren Geschmack und auch die wundheilende sowie antimikrobielle Wirkung.

 

Als bitteres Kaltgetränk darf man auch das beliebte „kühle Blonde” nicht ganz außer Acht lassen. Damit dieses eine gesundheitsfördernde Wirkung hat, muss es jedoch ein gut gehopftes Bier sein und idealerweise ohne Alkohol. In Bioläden sind oftmals auch alkoholfreie Sorten mit hohem heimischen Hopfenanteil zu finden. Hopfen (Humulus lupulus) ist ein starkes Bitterkraut und wirkt damit anregend auf die Magensäfte. Da es als Hanfgewächs eine intensive Wirkung auf das vegetative Nervensystem hat, eignet es sich besonders zur Unterstützung bei nervösen Magenbeschwerden oder Durchfällen. Aufgrund seiner beruhigenden Wirkung wird Hopfen gerne zur Linderung von Schlafstörungen und Angstzuständen verwendet. Während der männliche Trieb durch das aromatische Gewächs eher gedämpft wird, wirkt es auf Frauen anregend. Selbstverständlich kann Hopfen auch als Teekraut oder Tinktur verwendet werden.

 

Ein Bitterkraut, dass uns Menschen nahezu überall verfolgt, ist der Löwenzahn (Taraxacum officinale). Er gedeiht selbst auf völlig überdüngten Böden und erfreut uns mit seinem fröhlichen Gelb im Frühjahr. Sicherlich ist er eine der wichtigsten Heilpflanzen unserer Zeit. Er gilt als Universalreiniger der Bauchorgane, pflegt Leber und Bauchspeicheldrüse und putzt Schadstoffe aus unserem Darm. Beobachtungen in der Tierfütterung haben gezeigt, dass das Zufüttern von Löwenzahn eine starke Gewichts- und Fettreduktion bewirkt. Aufgrund der reinigenden Wirkung auf alle Bauchorgane darf er in keiner Entgiftungskur fehlen. Natürlich eignet sich hierzu der Tee aus der ganzen Pflanze; im Frühjahr geht es jedoch noch schmackhafter: Sowohl die Blätter, als Beigabe unter den bunten Frühlingssalat gemischt, als auch die noch geschlossenen Blütenknospen in etwas Olivenöl angebraten und mit Kräutersalz gewürzt sind echte Delikatessen.

 

Für diejenigen, deren Geschmacksknospen sich bereits ein wenig an bittere Substanzen gewöhnt haben, sei noch der Wermut (Artemisia absinthium) erwähnt. Die Volksmedizin kennt ihn vor allem als alkoholischen Auszug. Wermutschnaps vertreibt in vielen Gegenden noch immer ganz traditionell die Bitterkeit im Leben und das Völlegefühl nach dem Essen. Niemand muss zum Alkoholiker werden, um sich sein wertvolles Wirkspektrum zunutze zu machen. Als Tinktur reichen kleinste Tröpfchen-Mengen in etwas Wasser aufgelöst und auch als Teekraut kann er verwendet werden. Wermut hat eine stark anregende Wirkung auf das Vegetativum und reguliert gleichzeitig die Arbeit der Verdauungsorgane, insbesondere nach fettreichen Speisen. Ein Tropfen Wermuttinktur auf ein wenig Wasser kann daher ein hervorragender Ersatz für eine Tasse Espresso sein. Er regt den Gallenfluss an und wirkt blähungswidrig. Außerdem ist er ein starkes Tonikum, auch in der Rekonvaleszenz nach zehrenden Erkrankungen.

 

Die Welt der Bitterpflanzen ist bunt und vielfältig. Die Akzeptanz des bitteren Geschmacks auf der Zunge ist eine Frage der Gewohnheit. Da die Wirkung bereits durch den Geschmack im Mund und den damit einhergehenden vermehrten Speichelfluss beginnt, würde bei der Einnahme von Kapseln oder Pillen viel von der Wirkweise verloren gehen. Es lohnt sich also, bitter zu „üben“.

 

Alte Aqua-Vitae-Rezepturen (Rezepte für ein langes Leben) sind meist Zusammenstellungen aus vielen bitteren Komponenten. Viele Bittermittel gibt es auch in pulverisierter Form in Reformhäusern, Teeläden und Apotheken. Will man seiner Gesundheit etwas Gutes tun, lohnt sich eine Kur mit Bitterpulver. Ein halber Teelöffel Pulver in ca. 100 ml Wasser gerührt und vor jeder Mahlzeit getrunken, regt alle Verdauungsdrüsen an, steigert die Resorption von Mikronährstoffen, aktiviert den Stoffwechsel, fördert die Immunabwehr und verbessert deutlich die Laune. Probieren Sie es aus – Sie werden die Wirkung bereits nach wenigen Tagen spüren.

 

Bitterpulver zum Selbermachen

Löwenzahnwurzel mit Kraut 20 g

Schafgarbe mit Blüten 20 g

Wermutkraut 20 g

Wegwartenwurzel 20 g

Andornkraut 20 g

Tausendgüldenkraut 20 g

Die getrockneten Kräuter in der Kaffeemühle fein mahlen und mischen. Von dieser Mischung . TL in etwas stillem, kalten Wasser auflösen und vor jeder Mahlzeit trinken. (Weitere Rezepte in „Darm – natürlich Gesund“, siehe unten)

DIE AUTORIN:
Christine Baumann ist Heilpraktikerin in Mittenwald.
Ihre Schwerpunkte sind Frauengesundheit, Darmgesundheit, Stoffwechsel und Immunsystem.

LITERATUR ZUM THEMA:
„Darm – natürlich gesund”, Christine Baumann, AT Verlag, 2016

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