Psychologie

Mit inneren Bildern und Musik sich selbst entdecken

 

Ein Mann wandert auf einer einsamen Straße. Er sucht etwas, er sucht es schon sehr lange, aber er kann nicht genau in Worte fassen, was dieses Etwas ist. Er weiß nur, dass sein Leben von dieser Suche abhängt. Von Zeit zu Zeit hört er das Echo einer Stimme und er verspürt den Drang, dieser zu folgen. Schließlich führt ihn die Straße zu einem Berg und er weiß sofort, dass er diesen Berg besteigen muss. Immer höher steigt er und immer wieder hört er die Stimme, immer klarer, und er glaubt, deren Quelle hinter der nächsten Biegung sehen zu können. So steigt er schier endlos weiter, bis er schließlich den Gipfel erreicht. Dort wartet eine Frau auf ihn – so alt, als wenn sie seit Beginn der Menschheit dort oben leben würde. Aus strahlenden Augen sieht sie ihn an – aufmerksam, freundlich und durchdringend. Sie scheint ihn zu kennen, denn sie sagt nun: „Endlich bist Du gekommen, ich habe schon so lange auf Dich gewartet. Setz Dich zu mir, ich muss Dir etwas sagen.“…

 

Was sich wie ein Märchen anhört, ist ein Beispiel für das Erleben eines Klienten während einer Musikreise im Rahmen seines psychotherapeutischen Prozesses mit GIM (Guided Imagery and Music). Diese tiefenpsychologisch orientierte Art der Therapie nutzt die Welt unserer inneren Bilder und Symbole und bedient sich dabei einer unglaublichen Quelle von Wissen: unserem Unterbewusstsein.

 

Unterbewusst haben wir eine Ahnung von unseren Blockaden, Verstrickungen und Wunden, die uns daran hindern, unseren Lebensweg zu gehen und unsere Ziele zu verfolgen. Unterbewusst wissen wir aber auch um unsere innere Kraft und Weisheit, die diese Blockaden und Verstrickungen überwinden kann. Dies ist die therapeutische Grundhaltung der GIM-Therapie: Jeder Mensch trägt das Wissen um seine Lösungen und seinen persönlichen Weg in sich. Ziel des therapeutischen Prozesses ist es, wieder mit diesem Wissen in Verbindung zu kommen, es freizulegen. Der Therapeut ist Begleiter auf diesem Weg, nicht mehr und nicht weniger.

JEDER MENSCH TRÄGT DAS WISSEN UM SEINE LÖSUNGEN UND SEINEN PERSÖNLICHEN WEG IN SICH.

Bei einer Sitzung schildert der Klient also zunächst einmal seine Situation, seine Frage, seine Krise oder was auch immer ihn in diese Sitzung geführt hat. Nun wird er aufgefordert, für diese Frage, Situation etc. ein entsprechendes Bild zu finden, eine allegorische Entsprechung, zum Beispiel: Ich stehe vor einer Weggabelung, vor einer verschlossenen Tür, befinde mich alleine in einem Wald… Die Anfangsbilder sind so unterschiedlich wie die Menschen und die Situationen, in denen sie sich befinden. Der Klient legt sich auf eine Liege und nach einer kurzen Entspannung beginnt die eigentliche Reise mit dem von ihm gewählten Anfangsbild. An dieser Stelle kommt nun die eine Zutat hinzu, die GIM von den meisten anderen Therapien unterscheidet – ein sozusagen magisches Werkzeug, das die Tiefen der menschlichen Psyche zu erschließen vermag: Musik.

 

Erinnern sich sich hierzu einmal an einen Kinofilm, den sie besonders mögen, und im Detail an eine Szene, die sie im Besonderen intensiv berührt hat. Nehmen Sie sich etwas Zeit dafür. Erinnern Sie sich an die Gefühle, die diese Szene in Ihnen ausgelöst hat. Stellen Sie sich diese Szene sodann einmal ohne die dabei verwendete Musik vor. Wäre diese Szene dann für Sie genauso intensiv? Höchstwahrscheinlich nicht. Aber nun nehmen Sie in Ihrer Erinnerung die Musik wieder dazu und stellen sich vor, dass die Szene sich verändert. Das, was Sie da sehen, ist nun nicht mehr irgendein Abenteuer irgendwelcher imaginären Charaktere, sondern spiegelt eine Situation Ihres Lebens wider. Stellen Sie sich nun vor, dass Sie diese Szene nicht auf einer Leinwand sehen, sondern selbst Teil davon werden, den Verlauf miterleben, beeinflussen, und dass diese Szene sich in einer Art und Weise entfaltet, die Ihnen Ihre Situation auf bildhafte Weise zeigt und vielleicht auch eine Antwort auf eine für Sie bedeutende Frage bereit hält.

 

Durch eigens für diese psychodynamischen Prozesse ausgewählte, hauptsächlich klassische Musik kommt nämlich Bewegung in das am Anfang vom Klienten entwickelte Bild. Er bewegt sich hinein in seine eigene, persönliche Welt von Bildern und Symbolen und kann dort Kontakt mit den unterschiedlichsten Teilen seiner selbst aufnehmen – den eigenen Dämonen genauso wie den Helfern. Gerade weil mit Hilfe der Musik dieser tiefe Raum der Gefühle, Bilder und Symbole erschlossen wird, hat der Kopf als bewertender Zensor hier nicht die Kraft und Macht wie im Alltag. Dies soll nicht als generelle Abwertung des Denkens und Analysierens verstanden werden. Natürlich ist ein gesunder Verstand wesentlicher Baustein des Fundamentes unseres Lebens. Unsere Gefühlswelt ist aber ebenso einer dieser Bausteine und in der Praxis zeigt sich häufig, dass im Verhältnis dieser beiden zueinander Dysbalancen oder Widersprüche entstanden sind.

 

Ein anderes, in der Praxis häufig beobachtetes Phänomen ist die reflexartig negative Bewertung, Verzerrung oder Unterdrückung von Anteilen der eigenen Gefühlswelt (durch Prägung, Erziehung etc.). Das führt aber nicht dazu, dass diese Anteile verstummen oder an Wirkmächtigkeit verlieren. Im Gegenteil – sie werden sich irgendwann, irgendwo ein Ventil suchen, durch das sie sich Gehör oder Geltung verschaffen.

 

Die eigenen Gefühlsanteile Schritt für Schritt wieder zu entdecken, sie wertzuschätzen und ins Leben zu integrieren ist ein zutiefst berührender, bereichernder und lebensverändernder Prozess. GIM aber geht manchmal sogar noch einen Schritt darüber hinaus – in die spirituelle Dimension. Was die „spirituelle Dimension“ bedeutet, ist für jeden Menschen höchst individuell und entzieht sich der Möglichkeit einer allgemeingültigen Definition. Aber sie ist – wie individuell unterschiedlich sie sich auch ausprägen mag – Teil des menschlichen Lebens und da her oft näher, als wir annehmen. Unser Bewusstsein ist in der Lage, eine höhere Ebene zu erreichen. Dafür Worte zu finden, ist nahezu unmöglich, eben weil hier etwas Zeitloses und Unendliches berührt wird. Dafür ein Bild zu entwickeln entspricht dieser Sphäre schon eher und in Verbindung mit dabei intensiv erlebten Gefühlen wie Angenommen-Sein, Hoffnung, Frieden, Ehrfurcht und vieles mehr kann eine Musikreise im wahrsten Sinne des Wortes eine spirituelle Erfahrung sein. Es gibt ihn, diesen lebendigen, wahren, heiligen Raum, den jeder Mensch in sich trägt und der das Ziel so vieler Suchender ist. Mit GIM ist es manchmal möglich, diesen Raum zu erkunden.

DER AUTOR:
Henning Timm, Jahrgang 1978, ist seit 17 Jahren als Heilpraktiker in eigener Praxis tätig. Neben GIM bietet er auch klassische alternative Heilmethoden an.

Adolf-Lehne-Weg 12, 85598 Baldham
Tel. 089 - 99 16 17 48

LITERATUR ZUM THEMA
„Musik als Weg zu innerem Frieden” von Christina Achter, Books on Demand

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