Neue Kraft durch Psychosynthese

Autorin: Miriam Erraoui ist Diplom- Sozialwissenschaftlerin mit Schwerpunkt „Arbeit und Organisation“. Sie absolvierte eine fünfjährige Coaching- und Therapieausbildung in Psychosynthese. Ihr Motto: „Mein Anliegen ist es, Menschen darin zu unterstützen, ihre Sehnsucht nach innerer Entwicklung und Wachstum zu stillen. Wer sich persönlich und spirituell weiterentwickelt, strahlt eine innere Stärke und Souveränität aus, die das Leben im Alltag und im Beruf erleichtert.“
Kontakt: Tel. 089 - 456 689 76
me(at)miriam-erraoui.de www.miriam-erraoui.de


Buch-Empfehlung

Die Magie der Willenskraft

Der Wille ist die zweite große Kraft neben der Liebe, die dem Menschen innewohnt. (ROBERTO ASSAGIOLI)

Nichts kann so eine dynamische Kraft in uns sein wie ein starker und gezielt eingesetzter Wille. Oftmals kommen Veränderungen nicht zustande, weil der Wille zu schwach ist. In diesem Artikel erfahren Sie wie Ihren Willen schulen, um Ihre Willenskraft zu stärken. Ein klug eingesetzter Wille kann Ihnen das Leben und die Arbeit um ein Vielfaches erleichtern und Ihnen verschlossene Türen öffnen. Der Wille ist ein zentraler Aspekt bei der Psychosynthese, ein ganzheitliches Therapieverfahren zur Selbstverwirklichung des Menschen, das von dem italienischen Arzt Roberto Assagioli entwickelt wurde.

Veränderungen kommen meist nicht zustande, weil der Wille zu schwach ist. Unser Wille wird oftmals von unserem sozialen Umfeld unterdrückt und nicht gefördert. Wenn wir unseren wahren Willen leugnen, werden wir eines Tages erkennen, dass wir an uns vorbei gelebt haben. Geben wir ihm Raum, kann er zu einer treibenden Kraft in unserem Leben werden. Der Wille sollte jedoch nicht als egoistisches Durchsetzungsvermögen missverstanden werden. Er sollte vielmehr das Wohl anderer liebevoll und verständnisvoll mit einbeziehen und dahingehend wirken, dass alle Beteiligten Nutzen davon haben.

Ein Mangel an Willen zeigt sich oft an fehlenden Zielen, an mangelnder Disziplin und an fehlendem Engagement und geringer Begeisterungsfähigkeit. Die Aufgabe des Willens ist es, das angestrebte Ziel mit einer möglichst gut durchdachten konsequenten Planung der Zwischenschritte umzusetzen, während den Hürden mit Ruhe und Gelassenheit begegnet wird. Das heißt, wir behalten unser angestrebtes Ziel im Auge und lassen uns durch nichts und niemanden davon ablenken oder blockieren. Was den Willen im Kern auszeichnet, ist eine unerschütterliche Entschiedenheit, Visionen oder Projekte mit Beharrlichkeit, ungeachtet widriger Umstände oder langer Zeiträume der Umsetzung, zu verwirklichen.

DER WILLENSPROZESS – WILLE ALS FUNKTION DES „ICH“

Eine sehr energiegeladene, treibende Kraft der Psyche ist ein starker Wille. „Der Wille ist die Magd des Selbst“, sagt Roberto Assagioli, Arzt und Begründer der Psychosynthese. Der Wille ist stark mit dem Ich verbunden und hilft dem Menschen, seine Individualität in die Welt auszudrücken bzw. sich selbst zu verwirklichen. Indem wir bewusst unseren Willen einsetzen, um unsere Visionen, Ziele und Träume zu verwirklichen, können wir somit den Willen schulen. Nur wer seinen Willen kennt, kann eine integrierte autonome Persönlichkeit sein. Unbewusst durchlaufen wir dauernd den Willensprozess, um künftig dieses Schema bewusst anzuwenden, müssen wir diesen Ablauf in uns verinnerlichen. Nach Roberto Assagioli gibt es vier Aspekte des Willens: der starke Wille, der für Kraft und Motivation steht, der gute Wille, der im Kern eine ethische und moralische Haltung bedeutet, der geschickte Wille, der die Fähigkeit repräsentiert, Ideen und Visionen zu manifestieren und durchzusetzen, und zuletzt der transpersonale Wille, der die Sehnsucht nach dem Sinn des Lebens in sich birgt.

Der Willensprozess setzt sich aus sechs Stadien zusammen – der Absicht, Überlegung, Entscheidung, Bekräftigung, Planung und Delegation. Die Absicht ist der Beginn des Wollens und der eindeutigen Klarheit, zu wissen, was ich will. Die Überlegung, wie setze ich meine feste Absicht um, welche Schritte sind zu unternehmen, um mein Ziel zu erreichen. Die Wahl, die ich dann treffe, stellt meine Entscheidung und meinen Weg der Verwirklichung meines Vorhabens dar. Hierbei ist wichtig, mir mein Anliegen noch einmal bewusst zu machen und durch die Bekräftigung zu verinnerlichen. Anschließend kommt die Planung der Aufgaben und des Zeitmanagements; die Gestaltung des Umsetzungsprozesses ist das Fundament um meine Ziele tatsächlich realisieren zu können, denn sonst würde ich schnell meine Motivation und den Blick dafür verlieren, was ich ursprünglich beabsichtigt habe zu erreichen. Das letzte Stadium des Willensprozesses ist die Delegation. Diese könnte eine professionelle Unterstützung von Außen bedeuten, zum Beispiel das Aufsuchen eines Coaches, der mich begleitet.

Es ist unerlässlich, diesen Prozess mit den wichtigen Prioritäten schriftlich festzuhalten. Nur so kann sich ein starker Wille bilden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werde ich meine Ziele erreichen, wenn ich sie präzise benenne und mit einem Datum terminiere. Jede schriftliche Bekräftigung verankert sich in der Psyche.

Wichtig ist, dass der Wille und die Liebe miteinander in Verbindung stehen. Ein Wille ohne Liebe bedeutet, dass der Mensch rücksichtslos, unsozial und hart sein wird. Liebe ohne Willen ist nicht resolut und konsequent genug, um eine Willensabsicht in die Tat umzusetzen. Die Kraft fehlt, um entsprechende Initiativen zur Zielerreichung zu ergreifen. Hierbei gilt zu beachten, sich beide Qualitäten bewusst zu machen und in Balance zu bringen. Der erste Schritt der Absicht hilft, den Willen mit Energie zu laden.