Räuchern

Autor: Jochen Henkel, Unternehmer und Coach, Gründer und Inhaber der Firma „Der Räucherkoffer“ beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem alten Brauchtum des Räucherns. Er bietet u.a. verschiedene Workshops sowie besonderes Räucherwerk und Räucherzubehör an. Weitere Informationen unter
www.derraeucherkoffer.de


Literatur zum Thema

Engelwurz & Co.

Räuchern mit heimischen Kräutern und Harzen - RÄUCHERN – ALTES BRAUCHTUM

„Räuchern schafft Raum“. Dieser Satz sagt sehr viel über das Räuchern mit Kräutern und Harzen aus. Viele kennen den alten Brauch, Haus und Hof auszuräuchern. Sei es während der Rau(c)hnächten oder bei Einzug in ein neues Haus. Räuchern schafft aber ebenso Raum für Rituale und Begegnungen. Und mit der Entscheidung zu räuchern, schafft jeder für sich den ganz eigenen Raum. Raum und Zeit für sich selbst, für Begegnungen mit der Natur, in der Natur – aber auch mit anderen Menschen.

Räuchern ist keine Erfindung der Neuzeit. Man findet in sehr vielen Kulturen verschiedene Formen des Räucherns. Ob in China oder Japan, ob im Buddhismus oder bei den Hindus, ob beim Orakel von Delphi, ob bei den Schamamen in Südamerika oder einfach zu Heilig Drei König in der bayerischen Heimat. Räuchern ist Bestandteil der menschlichen Entwicklung, Geschichte und Kultur.

Für ein Räucherritual braucht es nicht viel und jeder kann für sich räuchern. Neben einem mit Sand gefüllten Gefäß (bevorzugt eine schöne, dicht gebrannte Tonschale) braucht man Räucherkohle, getrocknete Kräuter und/oder Har - ze. Früher hat man auch einfach etwas Glut aus dem Herdfeuer in der Küche entnommen und mit einer Schaufel oder mit dem Bügeleisen über den Hof getragen. Heute entzündet man Räucherkohletabletten mit einem Feuerzeug oder Streichholz und stellt sie aufrecht in ein mit Sand gefülltes Räuchergefäß. Sobald die Räucherkohle einen weißen Rand zeigt – das dauert etwa fünf Minuten – ist es Zeit, sie umzuwerfen und mit dem Räuchern zu beginnen. Nachdem die Räucherkohle sehr heiß wird (bis ca. 600° C) empfiehlt es sich, Kräuter mit Harzen zu mischen und gemeinsam zu verräuchern. Typische Räucherharze sind zum Beispiel Weihrauch, Myrrhe, Fichten- oder Lärchenharz, Copal, Dammar, Sandarak. Jedes Harz entwickelt eine andere Duftnote, und jedem Harz werden auch unterschiedliche Wirkungsweisen zugeschrieben. Während Weihrauch, Fichtenharz und Copal vor allem zum Reinigen verwendet werden, schreibt man z.B. der Myrrhe nährende und ausgleichende Eigenschaften zu.

SONNEN- UND MONDFESTE IM KELTISCHEN JAHRESKREIS – SAMHAIN

Die Kelten folgten mit ihrem Lebensrhythmus dem Verlauf der Jahreszeiten und dem Lauf von Sonne und Mond. Das Jahr wurde in acht gleiche Einheiten unterteilt und jeweils mit einem Fest begangen. Es gab vier Mondfeste (Lichtmess – Beltane – Lugnasad – Samhain) und vier Sonnenfeste (Winter- und Sommersonnwend, Frühjahrs- und Herbst-Tagund- Nachtgleiche).

Am 31. Oktober wird das keltische Ahnenfest Samhain gefeiert, zeitgleich mit Allerseelen, Allerheiligen oder auch Halloween. Im „Kalender von Coligny” wird Samhain auch als Beginn des keltischen Jahres gesehen. Die Natur befindet sich im völligen Rückzug, die langen Nächte überlagern die kürzeren Tage, der Zugang zur Anderswelt soll jetzt leichter sein. Ein Zeitpunkt des inneren Rückzugs und der Besinnung. Folglich auch die Möglichkeit, sich seiner Wurzeln und Ahnen zu besinnen. Es bietet sich an, durch eine Räucherung Ritu - ale zu verstärken. Zum Räuchern verwendet man unter anderem Wacholder, Fichtenharz, getrocknete Holunderblüten und schwarzen Copal. Fichtenharz wurde früher auf den Hö - fen geräuchert, wenn Altes losgelassen werden sollte. Gleichzeitig schreibt man dem Fichtenharz einen Bezug zur Ahnenlinie zu. Der schwarze Copal diente vielen Völkern Süd - amerikas und deren Schamanen als Wegbegleiter für Reisen und Rituale. Er kann beim Räuchern auch als persönlicher Wegbegleiter gesehen werden.

RÄUCHERN IN DEN RAU(C)HNÄCHTEN

Rauchnächte, Glöcklernächte, Zeit zwischen den Jahren, Lostage – so viele Namen es für die Rauhnächte gibt, so viele Geschichten gibt es auch um sie, um ihre Entstehung und ihre Besonderheit. Je nach Region werden die Rauhnächte auch sehr unterschiedlich begangen. Allgemein kann man sagen, dass sie mit der Wintersonnwende – auch Julnacht oder Thomasnacht genannt – beginnen. Als erste Rauhnacht wird die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember gesehen. In der Mythologie sagt man, dass in den Rauhnächten die normalen Gesetze außer Kraft gesetzt sind und die Tore in die Anderswelt offen stehen. Weitere besondere Rauhnächte sind die Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar und die Nacht zum 6. Januar. In diesen Nächten wurden früher Haus und Hof geräuchert, indem der Hausherr Weihrauch – oft mit Kräutern aus dem Kräuterbuschn von Maria Himmelfahrt - verräucherte. Man ging betend durch das Haus und um das Grundstück und reinigte und segnete es durch die Räucherung.

Gleichzeitig wurde in den Rauhnächten, den Lostagen, viel orakelt. Dieser Brauch ist auch heute wieder sehr beliebt. Und natürlich gehört hier das Räuchern unbedingt dazu. Eine typische Mischung könnte zum Beispiel aus folgenden Zutaten bestehen: Weihrauch, Dammar, Purpursonnenhut-Wurzel, Wurzel der Engelwurz, Wacholder, Rinde vom Storaxbaum, Roseblütenbätter. Die Mischung aus den verschiedenen Hölzern und Wurzeln gibt der Mischung eine zur Jahreszeit passende kräftige Note, ergänzt durch den lieblichen Reiz der Rosenblätter und den fast mandelähnlichen Duft der Storaxrinde.

Rose und Styrax stehen in diesem Zusammenhang für die Liebe und Herzenergie, während Engelwurz und Sonnenhut für Licht, Schutz und Klärung stehen. Sie helfen, den Blick auf das Wesentliche zu richten. Wurzelkraft stärkt und gibt Sicherheit – wer seine Wurzeln kennt und fühlt, ist gut „verankert“. Der Wacholder – Weihrauch des Nordens – rundet die Mischung ab. Ob an heimischen Flussläufen oder im Hochgebirge auf bis zu 2000 m – der Wacholder zeigt sich vielerorts, steht aber unter Naturschutz! Geräuchert werden die getrockneten, reifen Beeren, das klein geschnittene Holz und getrocknete junge Triebe. Früher wurde der Wacholder oft zur Desinfektion und zur Reinigung verräuchert und bebrannt.