Fit mit Wildkräutern

Autorin: Claudia Meißner


Vorsicht beim Sammeln!
Bärlauchblätter werden immer wieder mit den Blättern giftiger Pflanzen verwechselt, vor allem mit Maiglöckchen, Herbstzeitloser und dem Gefleckten Aronstab. Verwechslungen mit diesen drei Pflanzen können tödlich sein! Aus diesem Grund sollten die Blätter genau geprüft werden. Ein sicheres Merkmal für den Bärlauch ist der starke, lauchartige Geruch der Blätter. Einfach ein Blatt zerdrücken und an die Nase halten.

Grün&wild

Fit mit Wildkräutern

Schon unsere Vorfahren wussten, wie sie die zarten Pflänzchen im Frühling für ihre Gesundheit nutzen konnten. Die ersten Blüten und saftigen Blättchen, die sich nach der Winterruhe endlich wieder zeigen, enthalten viele Vitamine und Mineralstoffe und strotzen nur so vor Energie. Wir können viele Frühlingspflanzen als Smoothies, Salate, Suppen, Aufstriche oder einfach roh genießen – ihre grüne Kraft reinigt und belebt unseren Körper und unsere geistigen Kräfte und stärkt unsere Lebenskraft.

Die grüne Power, die sich jetzt in den „jungen Wilden” zeigt, entschlackt und reinigt unseren Organismus, kurbelt unseren meist träge gewordenen Stoffwechsel wieder an und erfrischt unsere Lebensgeister. Die Wildkräuter, die ich Ihnen hier vorstellen möchte, lassen sich gut in unsere tägliche Ernährung integrieren, sie schmecken lecker und sind leicht zu sammeln. Einen Hinweis möchte ich allerdings voraus schicken: Bitte sammeln Sie nur Pflanzen, die Sie wirklich gut kennen (es gibt einige giftige Pflanzen, die man leicht verwechseln kann!) und nur an Stellen, die nicht durch Pestizide oder Ähnliches verunreinigt sind bzw. auch nicht an Straßen. Die beste Zeit zum Sammeln ist der späte Vormittag, wenn der Tau bereits verschwunden ist. Lassen Sie die Kräuter immer im Schatten oder in einem Raum trocknen, niemals in der Sonne!

Die Brennnessel – die Wehrhafte

Diese allseits bekannte Pflanze ist eine hervorragende Heilpflanze bei vielen Wehwehchen. Sie hilft bei Frühjahrsmüdigkeit, fördert Blut - reini gung und Blutbildung, entgiftet den Körper und hilft bei Rheuma, steifen Gelenken sowie bei Hautproblemen. Sie regt den Stoffwechsel an und enthält viel Eisen, Kalzium und Vitamine. Sammeln kann man die jungen Pflanzen bis zur Blüte. Die Brennnessel ist ein feines Wildgemüse und wird wie Spinat gekocht oder als nahrhafte Suppe zubereitet. Am besten schme - cken die ersten, etwa 20 Zentimeter langen Pflanzen im Frühjahr, später verwendet man nur die Triebspitzen.

BRENNNESSELTEE
Pro Tasse 1 TL Brenn nes sel blätter (bei frischen Blättern 1 EL) mit kochendem Wasser aufbrühen, zugedeckt etwa 8 Minuten ziehen lassen und abseihen. Mit etwas Honig süßen und ca. drei Wochen lang 3-4 Tassen über den Tag verteilt trinken – schmeckt und tut gut!

BRENNNESSEL-GEWÜRZ
Junge Brennnesselblätter trocknen und zerreiben. Sie passen gut zu Käse, Kräuterquark, Suppen und Gemüsegerichten – einfach drüberstreuen.

Der Bärlauch – bärenstark!

Der nach Knob lauch riechende Bärlauch senkt die Cholesterinwerte und den Bluthochdruck, erweitert die Blutgefäße, fördert die Durchblutung, regt Verdauung und Stoffwechsel an. Er hat einen hohen Gehalt an Vitamin C und verleiht – wie schon sein Name sagt – Bärenkräfte. Die jungen, länglichen Blätter mit den Stielen eignen sich hervorragend z.B. in Kräuterquark, Dips, Salat oder Pesto, Kräuterbutter oder Brotaufstrich. Sehr gut schmecken die jungen Blättchen auch ganz einfach auf dem Butter- oder Käsebrot. Da der Bärlauch durch Kochen viel von seinem Geschmack und den Wirkstoffen verliert, wird er vor allem roh verwendet. Er hält sich nur kurze Zeit frisch!

BÄRLAUCH-PESTO
2 Handvoll zerkleinerten Bärlauch, 100 g Pinienkerne oder Walnüsse, 1/8 l Olivenöl, ca. 1/2 TL Salz und Pfeffer in der Küchenmaschine pürieren. Dann 50 g fein geriebenen Parmesan zugeben (nicht wenn das Pesto eingefroren wird!) – fertig. Bei größeren Mengen in ein Glas füllen, mit Olivenöl bedecken und gut verschlossen im Kühlschrank lagern. Dieses Pesto kann auch mit einer Wildkräutermischung hergestellt werden.

KRÄUTERPASTE
100 g frische Kräuter (Bärlauch, Giersch, Oregano, Petersilie, Kresse, Salbei, Zitronenmelisse, Basilkum etc.) fein hacken, mit 100 ml Olivenöl vermischen und mit Meersalz abschmecken. In ein steriles Glas füllen, mit Olivenöl bedecken und gut verschließen. Eignet sich als Würze für Salate, Saucen, Suppen und als Brotaufstrich.

Der Löwenzahn – bitter & gesund

„Ginseng des Westens” wird er auch oft genannt, der Löwenzahn. Der Salat aus seinen jungen, zart-herben Blättern ist der wohl bekannteste unter den Wildpflanzensalaten. Die jungen Blätter werden von März bis Juni gesammelt, die Knospen und Blüten vor allem von April bis Juni. Der Lö - wenzahn ist aufgrund seiner wichtigen Bitterstoffe besonders gut für Le ber, Gal le und Nieren. Er reinigt das Blut, löst Ablagerungen in den Gelenken, regt den ge samten Stoffwechsel an und fördert die Verdauung. Die jungen Blättchen kann man auf`s Butterbrot legen oder in den Salat geben. Löwenzahn enthält neun mal soviel Vitamin C und 40 mal soviel Vitamin A wie der Salat aus dem Supermarkt! Die süß schmeckenden Blütenblätter (nicht waschen, sonst geht der wertvolle Blütenstaub verloren!) nimmt man im Frühling zur Herstellung von Gelee, Sirup oder „Honig”. Die Knospen können – als Suppeneinlage oder im Salat – in Butter geröstet werden.

LÖWENZAHNSIRUP & -HONIG
Etwa 400 g Löwen zahnblüten, 1 1/2 l Wasser, 1 kg Einmachzucker, Saft von 2 Zitronen. Die Blüten mit einer Schere knapp über den grünen Kelchblättern abschneiden, mit dem Wasser einmal aufkochen und zugedeckt über Nacht durchziehen lassen. Am nächsten Tag durch ein Sieb abgießen, dabei gut ausdrü cken. Dann den Zucker einrühren und den Zitronensaft zugeben. Alles noch einmal aufkochen (gut umrühren!) und auf kleiner Stufe ohne Deckel ungefähr 15 Minuten zu Sirup einkochen lassen. Für den „Honig” so lange einkochen lassen, bis er dickflüssig ist. In saubere (!) Flaschen einfüllen, gut verschließen und dunkel lagern.

LÖWENZAHN-SALAT
Junge Löwenzahnblättchen waschen und mit Essig, Öl, Zitronensaft, Salz und Pfeffer anmachen, etwas Naturjoghurt und einen halben TL Ahornsirup dazugeben. Dazu passen hart gekochte Eier, Käsestreifen, Tomaten, Champignons, Oliven, Schafskäse, Radieschen...

Der Giersch – das Zipperleinskraut

Als feindliches Unkraut, das es gründlich auszurotten gilt, wird der Giersch heute angesehen. Dabei stellte er in Hungerszeiten eine sehr wichtige Nahrungsquelle dar und ist heute noch ein echter Küchenstar. Im Mittelalter wurde er sogar als „na tür - li che“ Nutzpflanze angebaut. In der Volksheilkunde gilt er als ein traditionelles Heilmittel gegen Gicht, Arthritis und Rheuma, seine gequetschten Blätter verwendete man früher als schmerzlindernde Wundauflage. Seine Wirkung wird als entwässernd, entgiftend, entsäuernd und blutreinigend beschrieben. Die jungen Gierschblätter schmecken fast das ganze Jahr über in Suppen, Aufstrichen oder als Gemüse. Im Geschmack erinnern sie an eine Mischung aus Spinat, Karotte und Sellerie.

WILDKRÄUTER-QUICHE
Teig: 200 g Mehl, 1 Ei, 30 g ger. Bergkäse, 1/2 TL Salz, 100 g Butter, Öl zum Bepinseln; Belag: 2 Eier, 1/8 l Milch, 2 zerdrückte Knoblauchzehen, ca. 1 gestr. TL Kräutersalz, Pfeffer, 1 Prise Muskat, 1 gehackte Zwiebel, 100 g geriebener Bergkäse, 100 g frische, zerkleinerte Wildkräuter (Giersch, Knoblauchrauke, Sauerampfer, Brennnessel etc.), 40 g Pinienkerne, 1-2 reife Tomaten in Scheiben Die Zutaten rasch zu einem Mürbteig verkneten und 30 Minuten kalt stellen. Dann auf etwas Mehl ausrollen und in eine gefettete Quiche-Form (Ø 26 cm) drücken. Mit Öl be - pinseln. Für den Belag die Eier trennen. Das Eiweiß steif schlagen, Eigelb mit Milch, Knoblauch und den Gewürzen verquirlen. Die Zwiebel, den Käse und die Kräuter unter rühren. Zuletzt den Eischnee unterheben und die Masse auf den Teig geben. Mit den Pinienkernen bestreuen und mit den Tomatenscheiben belegen. Im vorgeheizten Backofen bei 200° etwa 45 Minuten backen. Nach 30 Minuten mit Alufolie abdecken – noch heiß servieren.

GIERSCH-LIMONADE
Etwa 15 junge Gierschblätter, 2 Zweige Minze, 2 Zweige Melisse, Saft von 1 Bio- Zitrone, 1 l Apfelsaft, 1/2 l Mineralwasser.

Die Kräuter waschen, etwas trocknen und zu einem Strauß binden. Zusammen mit Apfelsaft und Mineralwasser in einen Krug geben, Zitronensaft zugeben und mindestens drei Stunden – besser über Nacht – kaltstellen. Evtl. mit Eiswürfeln servieren.

WILDER FRÜHLINGS-SMOOTHIE
2 Handvoll junge, gewaschene Wildkräuter (Giersch, Löwenzahn, Brennnessel etc.), 2 Äpfel, 1 Karotte, 1 TL Zitronensaft und 1 EL Haferflocken mit 300 ml Wasser und 400 ml Apfelsaft pürieren. Evtl. mit Honig nachsüßen.