Farbberatung

Der Autor: Omraam Mikhaël Aivanhov (1900 - 1986) wurde 1900 in Bulgarien geboren. Seine Lehre ist universell und verbindet Wissenschaft, Kunst und Religion. Er hielt über 5000 Vorträge und verband all sein Wissen mit Anregungen, Übungen und Methoden, die nützlich, einfach, erprobt und im Alltag anwendbar sind. Dieser Text ist dem Buch „Saaten des Glücks“, Prosveta Verlag, entnommen.

Saaten den Glücks

Sobald etwas nicht in Ordnung ist, neigt man dazu, die schlechten äußeren Umstände dafür ver antwortlich zu machen. Eines müsst ihr aber wissen: Solange ihr glaubt, euer Glück oder Unglück hänge von den äußeren Umständen ab, seid ihr vor nichts sicher. Denn das Leben ist so beschaffen, dass nichts je wirklich beständig und endgültig bleibt. Wenn ihr keine Arbeit mit dem Verstand und dem Willen ausführt, werdet ihr ständig hin und her geworfen. Ihr seid einmal glücklich, wenn die Verhältnisse euch hold sind und einmal unglücklich, weil ihr auf Hindernisse und Schwierigkeiten stoßt. Aber wohin soll das führen?

Man muss ein für allemal verstehen, dass die äußeren Verhältnisse niemals ausschlaggebend sind. In der gleichen Erde, mit der gleichen chemischen Zusammensetzung, können sowohl Feigen als auch Disteln gedeihen. In einer Familie können Kinder mit dem selben Vater, derselben Mutter und derselben Erziehung große körperliche, intellektuelle und seelische Unterschiede aufweisen. Und bei Ereignissen, die die gesamte Gesellschaft betreffen, stellt man fest, dass die gleichen Prüfungen nicht alle Menschen auf die gleiche Weise berühren. Weshalb? Weil sie den Prüfungen nicht mit dem gleichen Bewusstseinszustand begegnen. Wäh - rend die einen, die kein richtiges Verständnis der Dinge haben, allmählich verbittert und rachsüchtig werden, sich niederdrücken lassen und so ihrer Umgebung das Leben vergällen, werden andere durch die se Prüfungen stärker und reicher. Dank ihrer Er - fahrungen werden sie fähig, allen um sich herum zu helfen mit ihren Ratschlägen, ihrem Verhalten, ihrer Ausstrahlung und mit der von ihnen ausgehenden Kraft. Das ist ein Beweis, dass die Verhält nisse nicht alles bedingen. Sie können selbstver ständlich nicht völlig ignoriert oder vernachlässigt werden, aber um vorwärtszukommen, muss man einsehen, dass viele Dinge im Leben aus schließ - lich von uns selbst, von unserer Auffassung abhängen und dass Glück und Unglück höchst relative Zustände sind. Das war auch die Philosophie von Nastradin Hodja. Wollt ihr ein Beispiel dafür?

Eines Tages kam eine alte Frau zu Nastradin Hodja: „Ach! Nastradin Hodja, wenn Du nur wüsstest, in welcher Lage wir sind! Die ganze Familie wohnt in einer kleinen Hütte, und wir sind alle darin zusammengedrängt, mein Mann und ich, mein Sohn mit Frau und Kindern. Es ist schrecklich, so kann es wirklich nicht weitergehen!” – „Ja, das kann ich ver stehen”, sagte Nastradin Hodja, „aber dem kann abgeholfen werden”. – „Wie denn?” – „Ich werde es Dir sagen; zuerst musst Du mir aber versprechen, al les anstandslos zu tun, was ich von Dir verlange.” – „Einverstanden.” – „Also gut! Jeden Tag kommst Du zu mir und berichtest über alles. Habt ihr einen Hund?” – „Ja.” – „Und eine Katze?” – „Ja.” – „Also bringe sie beide in die Hütte hinein.” – „Aber, Nastradin Hodja, was verlangst Du denn da von mir?” – „Du hast versprochen, alles zu tun, was ich Dir sage, nicht wahr?” Die Frau ging also weg und ließ Hund und Katze ins Haus hinein. Am nächsten Tag berichtete sie: „Das ist ja grauenhaft, der Hund und die Katze haben sich ständig gezankt; wir haben keine Minute Ruhe gehabt.” – „Gut! Habt ihr eine Ziege?” – „Ja.” – „Bringe sie auch hinein.” Am näch sten Tag kam sie wieder: „Ach! Nastradin Hodja. Die Ziege konnte überhaupt nicht ruhig bleiben; sie hat alles umgestoßen; die ganze Nacht haben wir kein Auge zugetan. Was wird denn aus uns werden?” – „Mach Dir keine Sorgen, es ist alles ausgezeichnet.” „Habt ihr Hühner?” – „Ja.” – „Lass auch sie hinein.” Ich brauche euch nicht zu schildern, in welchem Zustand die Frau am folgenden Tag war. „Habt ihr ein Schwein?” – „Ja”, antwortete sie, aber sie war am Ende. – „Gut nimm es auch mit ins Haus!” Sie hätte sich gerne widersetzt, wagte es aber nicht, denn sie wollte ihr Versprechen halten. Am Morgen darauf kam sie mit Tränen in den Augen und schluchzte verzweifelt: „Nastradin Hodja, Du hattest mir doch Hilfe versprochen; aber es wird immer schlimmer. Bald werden wir alle verrückt, unser Leben ist zur Hölle geworden!” – „Gut”, sprach Nastradin Hodja mit ernstem Gesicht, indem er an seinem Bart zupfte, „ich will alles wiedergutmachen. Lass das Schwein heraus und komme morgen wieder zu mir!” Am nächsten Tag gestand sie mit einem Lächeln: „Ach, es geht schon besser, wir fangen wieder an zu at men.” – „Jetzt lass die Hühner hinaus...” So verließen die Tiere nach und nach die Hütte. Als sie alle draußen waren, fragte Nastradin Hodja: „Also wie geht es jetzt?” – „Ach! Es ist wirklich herrlich, wir fühlen uns wie im Paradies – alle singen und fallen einander um den Hals!” – „Nun, siehst Du, ihr seid genau am sel ben Punkt angelangt, wie am ersten Tag, als Du dich beklagtest, das Leben sei unerträglich gewor den. Warum hast Du dich eigentlich beklagt?”

Manche werden einwenden: „Das ist aber eine blöde Geschichte!” Ich gebe zu, sie ist etwas übertrieben, aber sie zeigt, dass es immer relativ ist, ob man sich wohl oder unwohl, glücklich oder unglücklich fühlt. Ihr steht müßig und etwas traurig da, das Leben erscheint euch farblos und fad... Plötzlich bekommt ihr eine schlechte Nachricht, jemand aus eurer Familie ist bei einem Unfall verletzt worden. Ihr seid schrecklich unglü ck - lich. Einige Stunden später hört ihr, es habe sich um einen Irrtum gehandelt. Was für eine Freude empfindet ihr da auf einmal! Das Leben erscheint euch wieder leicht, schön und voller Möglichkeiten! Ja, aber warum erschien es euch vorher nicht so? Wa rum musste euch erst die fälschlicherweise angekündigte Katastrophe bewusst machen, dass ihr vorher glücklich wart?

Natürlich behaupte ich nicht, man müsse unbedingt zu sechst oder siebt in einer Hütte leben, um glücklich zu sein. Doch ganz allgemein lässt sich sagen, dass man mit der richtigen Philosophie und Denkweise sehr zu seinem inneren Wohlbefinden beitragen kann, denn die Gedanken wirken sich auf den Bewusstseinszustand aus. Denkt immer daran, dass Gedanken und Gefühle für das Bewusstsein entscheidend sind. Ihr könnt es selbst beobachten: Wenn ihr mit eurem Leben unzufrieden seid und leidet, wird dieser Zustand selten durch materielle Veränderungen verbessert, sondern viel eher durch Veränderungen in euren Gedanken und Gefühlen. Leidet ihr körperlich, dann braucht ihr natürlich auch physische Heilmittel. Bei einer Verletzung oder einem Beinbruch werden euch auch die besten Gedanken und Gefühle nicht heilen und euren Schmerz lindern, denn bis sie die Materie erreichen, um dort Besserung zu bewirken, braucht es Zeit; sie können euch jedoch helfen, das Leiden besser zu ertragen. Denn Gedanken und Gefühle wirken sehr wohl auf den physischen Körper. Harmonische Gedanken und Gefühle wirken sich auf den Kreislauf aus und reinigen das Blut. Und wenn das Blut rein ist, trägt es wirksamer zur Gesundheit des Organismus bei. Selbst Wunden schließen sich dann schneller.

Auch wenn es euch gelingt, eure materielle Situation zu verbessern, werdet ihr doch nach einem kurzen Moment der Zufriedenheit wieder in den gleichen Zustand von Unzufriedenheit, Bitterkeit oder Auflehnung zurückfallen, solange ihr nicht eine bestimmte innere Arbeit vollbracht habt. Die psy - chischen Mängel haben auf der physischen Ebene keine Heilmittel. Man kann auf der physischen Ebene bis in die Unendlichkeit alles Mögliche anhäufen: Medikamente, Vermögen, Macht usw. Ist man jedoch nicht im richtigen Gemütszustand, wird einen dies nie wirklich zufriedenstellen. Die Veränderung muss in der Seele, in den Gedanken, in der Weltanschauung, in der Auffassung, in den Überlegungen stattfinden, sonst wird aus allem, was ihr anhäuft, lediglich Überdruss und Abscheu. (...)

Im Kopf muss etwas geändert werden, innerlich muss man versuchen, glücklich zu werden. Hat man das einmal gelernt, dann ist es möglich, ganz gleich unter welchen Umständen, glücklich zu sein. Ja! Denn so - gar unter den schlimmsten Bedingungen kann man sich mit den himmlischen Wesenheiten verbinden und sich glücklich und erfüllt fühlen. Liegt die Ursache eures Glücks in euch, dann kann nichts und niemand es euch nehmen. Wenn ihr einmal die Dinge auf diese Weise betrachtet, könnt ihr diesen Zeitpunkt als den Beginn eurer Befreiung, eurer Unsterblichkeit, eurer Ewigkeit betrachten. Materielle Bedürfnisse hat man natürlich immer noch, aber sie sind geringer, als man glaubt. Wenn euch das Schicksal gewisse Entbehrungen auferlegt, sagt euch, dass es eine günstige Gelegenheit ist, nach anderen Auswegen, nach Pfaden in der Seele und im Geist zu suchen.

Wenn der äußere Weg versperrt und blockiert ist, müsst ihr euch nach innen oder nach oben wenden, was eigentlich dasselbe ist. Es gibt immer einen Ausweg. Manchmal fühlt ihr euch entmutigt, niedergeschlagen und erschöpft; euch kommen sogar Gedanken an Selbstmord... Ja, solche Dinge können pas sieren. Ich sage nicht, man hätte täglich einen Grund sich zu freuen und glücklich zu sein. Ich sage nur, dass man immer etwas tun kann, auch in schwierigen Situa tionen. Selbst in tiefster Verzweiflung sollte jeder wis sen, dass die Entmutigung sogar selbst die nötigen Elemente enthält, aus denen man wieder Mut schöpfen kann, sofern man ge lernt hat, sie zu erfassen und zu gebrauchen. Denn in der Entmutigung wohnen ungeheure Kräfte. Ein Beweis da - für? Allein die Tatsache, dass die Entmuti - gung fähig ist, ein ganzes Reich zu zerstören – nämlich euch selbst mit allen Schätzen und Möglichkeiten, die in eurem Körper, eurem Herzen, eurem Intel lekt, eurer Seele, eurem Geist angehäuft sind – zeigt, dass sie wirklich sehr mächtig ist. Warum also nicht versuchen, euch dieser Macht zu bedienen und ihr eine positive Orientierung zu verleihen?

Der Mensch ist sich nicht all der Möglichkeiten bewusst, die er in sich trägt. Auch wenn er glaubt, völlig erschöpft und am Ende zu sein, verfügt er noch über Reserven. Er gleicht einer Rakete mit mehreren Stufen; wenn der Treibstoff der ersten Stufe beinahe aus ist, zündet ein Funke die zweite Stufe und so kann die Rakete ihren Flug fortsetzen. Genauso ver hält es sich mit der zweiten, dritten und vierten Stufe. Wenn ein Mensch stirbt, dann nicht unbedingt deswegen, weil er am Ende seiner Reserven ist, son dern oft, weil es ihm nicht gelungen ist, die nächste Stufe zu zünden. Hätte er es fertiggebracht, dann hätte er erkannt, dass er über weitere Reserven verfüg te. Wir ahnen bei Weitem nicht das Ausmaß der Re serven, die Gott in uns gelegt hat. Also versteht mich recht! Wenn euch der äußere Weg versperrt und blockiert erscheint, so wendet euch nach innen und arbeitet mit eurem Denkvermögen, mit eurer Vorstellungskraft, mit eurem Willen; nach und nach werdet ihr entdecken, wie sich in euch ungeahnte Horizonte auftun. Wenn ihr euch bemüht, die Sprache des Schicksals zu verstehen, werdet ihr immer glücklich sein und den Himmel preisen, weil er euch dazu bringt, geheimnisvollere und reichere Regionen zu erforschen.

Befragt einmal einen erfolgreichen Geschäftsmann; glaubt ihr, er wird euch sagen, er sei glücklich? Wohl kaum! Er wird sich vielmehr beklagen, er sei überarbeitet, seine Frau nütze seine Abwesenheit aus, um ihn zu betrügen, sein Sohn sei unfähig und seine Angestellten faul, seine Aktien an der Bör se seien gefallen, seine Konkurrenten hätten die Absicht, ihn zu ruinieren usw. Ihr hört ihm zu, und nach kurzer Zeit fühlt ihr euch genauso niedergeschlagen wie er. Trotz all seines Reichtums wird er nie imstande sein, euch ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie schön das Leben ist. Denn er lebt in der ständigen Angst, dieses oder jenes zu verlieren... Ihr seht also: Er gibt euch nichts, weil er selbst befürchtet, seinen ganzen Besitz zu verlieren, aber obendrein stört er auch noch euren Frieden und nimmt euch die Lebensfreude. Ein Mensch hingegen, der daran gearbeitet hat, sich spirituelle Schätze anzueignen, wird immer bereit sein, sie mit euch zu teilen. Dank ihm bekommt ihr die besten Methoden, die besten Mittel, um das Gleichgewicht und den Sinn des Lebens zu finden, egal wie eure Situation auch aussieht.

Ihr fragt: „Ist es jetzt nicht schon zu spät, um mit dieser inneren Arbeit anzufangen?” Nein, zu spät ist es nie. Je später ihr damit beginnt, desto schwerer wird es natürlich sein, weil ihr bereits eure Gewohnheiten habt. Gewohnheiten sind wie erstarrte Formen, die ins Feuer gelegt werden müssen, um biegsamer zu werden, damit man sie neu formen kann, so wie man das mit Metallen macht. Das Feuer sind die Prüfungen, die euch die unsichtbare Welt schickt, um euch eine neue Form und eurer Existenz eine neue Orientierung zu geben. Wenn ihr aber nur jammert und euch auflehnt, hindert ihr den Himmel daran, euch die erwünschte Form zu geben. In diesem Falle dürft ihr euch nicht wundern, wenn euer Leid kein Ende nimmt.