Brücken bauen mit Klang

Der Autor: Ulrich Krause ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Peter Hess Institut. Kontakt:
www.peter-hess-institut.de
www.phi-bayern.de

Brücken bauen mit Klang

Mit den Peter Hess®-Klangmethoden können Pflegekräfte und Angehörige Menschen mit Demenz Momente des Wohlbefindens und der Lebensfreude schenken.

Klang und Klangmassage können als Klang-Kommunikation mit an Demenz erkrankten Menschen verstanden werden. Durch die wertschätzende und achtsame Methode werden positive Erlebnisse bei Menschen mit Demenz erzeugt, das Selbstwertgefühl gefördert und die Lebensqualität gesteigert.

Oft ist es für Angehörige schwer zuzusehen, wie einst starke Menschen durch die Demenzerkrankung abbauen. Dem scheint man hilflos ausgesetzt und doch ist es wichtig, eine aktive Rolle einzunehmen, um den Betroffenen Momente des Wohlbefindens, der Lebensqualität und der Lebensfreude zu ermöglichen. Erreicht man diesen Zustand, zeigt sich das auch im Selbstwertgefühl des Gebenden, etwas Gutes getan und erreicht zu haben.

Die Klangschalen mit ihren harmonischen Klängen und sanften Klangvibrationen können hier ein wunderbares Kontaktmedium sein, das eine Begegnung jenseits von Sprache ermöglicht – eine Begegnung von Mensch zu Mensch. Das Besondere in der Anwendung mit Klangschalen ist dabei, dass ein sinnlicher und emotionaler Zugang zu den Menschen erreicht wird und immer auch dem Anwender gut tut. Der Pflegealltag wird dadurch entspannter, was sich auch in der Resonanz mit den an Demenz Erkrankten zeigt. So können Ängste und Unbehagen reduziert und Gefühle von Vertrauen, Sicherheit und Geborgenheit hergestellt werden.

Die Klänge und Schwingungen von Klangschalen fördern, begleiten und unterstützen den Zugang zu Menschen mit Demenz, indem die Sinne als Brücke genutzt werden. Dazu kommen die Klangschalen als auditive, taktil-haptische, vibratorische, visuelle, olfaktorische und sogar gustatorische Wahrnehmungs- Angebote gezielt zum Einsatz. Mit ihrer obertonreichen, gleichförmigen Klangstruktur erinnern die Klänge an die Geräuschkulisse, wie sie ein Ungeborenes im Mutterleib durch Blutfluss und Herzrhythmus wahrnimmt und wie sie im Leibgedächtnis (Dr. Udo Baer SMEI Konzept, www.zukunftswerkstatt- tk.de) gespeichert ist. Daher wirken die Klänge so vertraut, schenken eine Zeit des Urvertrauens, des Geschütztseins, der Geborgenheit. Die sanften Schallwellen der Klangschalen erreichen jede Körperzelle. Die Flüssigkeit, das Gewebe, die Organe und alle Hohlräume im Körper kommen in Schwingung, was als angenehme, sanfte Massage empfunden wird. Durch die feinen Vibrationen können Verspannungen gelockert und die Durchblutung angeregt werden.

Durch den Einsatz von Klangschalen zeigen sich positive Veränderungen. So konnte in einer Studie belegt werden, dass 35 Prozent weniger Psychopharmaka bei Menschen mit Demenz verabreicht wurden. Bei der Obstipations-Prophylaxe konnten 40 Prozent der Abführmittel reduziert werden. Unruhige Patienten wurden ruhiger und die in sich gekehrten wurden wacher und nahmen wieder mehr am sozialen Leben teil.


Wenn Sie mehr über die Welt der Klänge und die Einsatzmöglichkeiten erfahren wollen, bietet sich eine gute Möglichkeit auf der Altenpflege-Messe

„Demenz geht uns alle an“ in Rosenheim, 11. - 12. Juni 2016

mit vielen Ausstellern, Vorträgen und Workshops rund um Pflege und Demenz. An beiden Tagen wird die Klanginitiative Südbayern „Klang im Park“ veranstalten. Dabei wird es in dem Park um die Messe, in Zelten und im Freien Klangangebote und kurze Klangmassagen geben. Es werden außerdem Workshops (z.B. Tönen, Atem und Klang oder Gesundheitsprävention mit Klangschalen) angeboten.
www.altenpflegemesse-rosenheim.de


Rosemarie Bleil, in Bayern tätige examinierte Altenpflegerin, Gerontofachkraft und - therapeutin ist eine erfahrene Klang-Expertin für Altenpflege und Demenz. Sie hat zusammen mit Fachkräften und mit Peter Hess, Dipl.-Ing. für Physikalische Technik und Entwickler der Peter Hess®-Klangmassage, eine Methode entwickelt, die sich in der Praxis vielfach bewährt hat, durch wissenschaftliche Studien begleitet wurde und zum Zertifizierungsprogramm des Steinbeis-Transfer-Instituts Gesundheitskompetenz und Gesundheitsbildung gehört. In den Seminaren (Peter Hess®-Klangmassage und Klangexperte Demenz), die auch in Bayern stattfinden, werden Methoden vermittelt, die durch Achtsamkeit und einen Zugang über verbale und nonverbale Kommunikation in Verbindung mit Klangschalen angenehmes Körpererleben, Entspannung und Wohlbefinden ermöglichen. Dabei werden Ressourcen und Biografie sowie das „Andocken“ mittels Gefühle, Subtext und Resonanz berücksichtigt. In einem Erlaubnisklima ohne Ängste, Scham, Verletztheit kann so für Menschen mit Demenz eine Zeit der Geborgenheit, des Vertrauens sowie der Sicherheit hergestellt und Raum für neue positive Erfahrungen erzeugt werden.

Kurzinterventionen in der Anwendung

Es reichen zweimal täglich wenige Minuten aus – ein Ritual, das regelmäßig durchgeführt werden sollte. Wertvolle Anregungen finden Sie auch in dem Buch „Peter Hess, Klangschalen – Mein praktischer Begleiter“. Gut illustriert werden hier kleine Klangübungen für den Alltag dargestellt, wie man sich selbst, partnerweise oder im familiären Umfeld etwas Gutes tun kann. Erschienen im Verlag Peter Hess, 2015.