Vitamin D

Autor: Prof. Dr. med. Jörg Spitz ist Facharzt für Nuklearmedizin, Ernährungsmedizin und Präventionsmedizin. Institut für medizinische Information und Prävention, Tel. 06129 - 502 99 86, info@mip-spitz.de
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Literatur zum Thema

Vitamin D

Das Sonnenhormon

Das „Sonnenhormon“ Vitamin D kann nicht nur die Lebensqualität verbessern und die Lebenszeit verlängern, sondern ist vor allem maßgeblicher Schlüssel zur Prävention: Vitamin D senkt das Krebsrisiko und unterdrückt das Wachstum bösartiger Tumore. Außerdem schützt es vor Rachitis und Diabetes, verlangsamt Knochenschwund, kräftigt die Muskulatur, fördert das Immunsystem, produziert körpereigene Antibiotika, schützt die Nervenzellen und senkt den Blutdruck.

Wie kommt es, dass ein altbekanntes Vitamin immer mehr Aufsehen in den Medien erregt? Noch dazu Vitamin D, das lediglich kleine Kinder und alte Leute benötigen, damit sie keine Rachitis bzw. Osteoporose bekommen? Nun, dafür gibt es gleich mehrere Gründe, die alle gerade erst bekannt wurden und allesamt Erstaunen hervorriefen: Zum einen ist Vitamin D gar kein Vitamin, sondern ein Hormon, das zum anderen nicht nur für den Knochenstoffwechsel, sondern von allen Zellen gebraucht wird. Der wichtigste Grund ist jedoch, dass uns diese so dringend benötigte Substanz just verloren gegangen ist, obwohl wir sie in der eigenen Haut produzieren können! Kaum zu glauben, aber wahr! Hier kommt die Erklärung – nicht nur für den Vitamin D-Mangel sondern auch für die damit verbundene Entstehung der chronischen Krankheiten!

Die Menschen in den Industrieländern haben ihre Lebensweise innerhalb weniger Jahrzehnte drastisch verändert – mit enormen Konsequenzen für unsere Gesundheit. Durch die aus diesen Veränderungen zunehmend entstehenden Defizite in unserem Lebensstil haben wir bereits vorhandene Risiken weiter erhöht und neue Risikofaktoren geschaffen. Diese bringen den Stoffwechsel des Körpers dann letztendlich zur Entgleisung, was sich in den vielfachen chronischen Erkrankungen äußert. Die Skala reicht von Diabetes über Herzinfarkt und Schlaganfall bis hin zu Krebs und neurologischen Erkrankungen. Besonders erwähnenswert sind die Störungen des angeborenen und erworbenen Immunsystems. Dadurch wird die Neigung zu akuten Infekten genauso gesteigert wie die Häufigkeit von Auto - immunerkrankungen der Lunge (Asthma), der Gelenke (Rheuma) und des Darmes (Colitis ulcerosa und Morbus Crohn).

Ein artgerechter Lebensstil ist die beste Voraussetzung, Krankheiten zu vermeiden und bis ins Alter über eine hohe Lebensqualität zu verfügen. Die bekanntesten positiven Einfluss - Vitamin D Das Sonnenhormon faktoren sind bislang eine ausreichende körperliche Aktivität und eine gesunde Ernährung. Umgekehrt sind Rauchen und Übergewicht die bedeutendsten negativen Faktoren. Weltweit ist es in den Industrie ländern durch die Verstädterung (Urbanisierung) und die damit einhergehende Veränderung des Lebensstils zu einem Mangel an Vitamin D in den Bevölkerungen gekommen. Näherungsweise lässt sich sagen, dass mindestens zwei Drittel aller Menschen, die in unseren nördlichen Breiten leben, vor allem in den Wintermonaten einen mehr oder minder ausgeprägten Vitamin-D-Mangel aufweisen.

Ein ganz wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung des Vitamin-D-Mangels ist – neben den bereits aufgezählten Faktoren – der großzügige Einsatz von Maßnahmen zum Sonnenschutz aufgrund der weit verbreiteten Angst vor einem bösartigen Hauttumor. Wer aber seine Haut ohne Verursachung eines Sonnenbrands der Sonne aussetzt, hat gute Chancen, seine Gesundheit durch die vielfältigen positiven Effekte des entstehenden Sonnenhormons zu fördern.

Zur angemessenen Versorgung der Körperzellen ist ein Vitamin-D-Spiegel im Blut von 30 bis 80 ng/ml angezeigt. Um diesen zu erreichen, benötigt man täglich etwa 4.000 Einheiten Vitamin D, die man entweder in der Haut mithilfe von UV-Strahlen selbst produzieren oder als künstlich hergestelltes Präparat ergänzen muss. Kinder benötigen etwa 1000 IE pro 11 kg Körpergewicht.

Solarien können daher eine Ersatzrolle für den Ausgleich des Defizits in der Sonnennutzung spielen, wenn durch eine entsprechende Auswahl der eingesetzten Leuchtkörper sichergestellt ist, dass das verwendete UV-Spektrum nicht nur bräunt, sondern auch die benötigten Mengen des Sonnenhormons produziert. Wer jedoch durch die Medien zu sehr verunsichert ist, was die Belastbarkeit seiner Haut angeht, und lieber keine natürliche oder künstliche Sonne an seinen Körper lässt, dem bleibt die ersatzweise Zufuhr von pharmazeutisch hergestelltem Vitamin D.

Ein weiteres Problem stellt die Überschätzung der eigenen Vitamin-D-Versorgung dar, da in den Medien häufig angeführt wird, dass es ausreichend sei, das Gesicht und die Hände mehrfach in der Woche für 5-10 Minuten der Sonne auszusetzen. Dazu muss dann allerdings die Sonne auch scheinen! Und bitte ohne Tagescreme, denn die enthält häufig als gut gemeinte Zugabe der Kosmetikindustrie bereits einen Lichtschutzfaktor 15! Ferner ist es wichtig zu wissen, dass zwischen Oktober und März in unseren Breitengraden überhaupt keine Vitamin-D-Bildung möglich ist, da die Sonnenstrahlen mit ihrem UVB-Anteil einfach zu schwach sind. Wir müssen also im Sommer auf Vorrat Vitamin D tanken! Das geht, da wir das Sonnenhormon in unserm Fettgewebe speichern können, wenn wir mehr produzieren als wir verbrauchen.

Zur korrekten Einschätzung der Versorgungssituation des eigenen Körpers empfiehlt sich daher die Bestimmung des Vitamin-D-Spiegel im Blut – einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Dies kann man beim Hausarzt veranlassen – allerdings als Vorsorgeleistung auf eigene Kosten. Wichtig dabei ist, dass die Vorratsform des Sonnenhormons (25-OH Vitamin D) bestimmt wird und nicht die aktive Form (1,25-OH Vitamin D), da letzteres nicht nur doppelt so viel kostet, sondern auch zu Fehlinformationen führt.