Der Autor: Karl Gamper

Autor: Karl Gamper ist Bestseller-Autor im Bereich Wirtschaft. Er schrieb u.a. das erste Buch im deutschen Sprachraum zu den Kulturell-Kreativen. Titel: "So schön kann Wirtschaft sein". Karl Gamper lebt mit seiner Frau und Seelengefährin Jwala im 500 Jahre alten Claudiaschlössl, einem Kraftplatz in Tirol.
Kontakt: www.gamper.com, www.SIGN.ag
Und brandneu: www.JETZT-Collection.de


Literatur zum Thema

Ausgabe IIV/2010

Wir sind so viele.

Der Aufbruch der Kulturell-Kreativen

Es muss ein erhabener Augenblick gewesen sein: Die größte Wertebefragung der Geschichte abgeschlossen. Hunderttausend Fragebögen ausgewertet. Eine gefühlte Überraschung ist ab sofort Gewissheit. Der gesellschaftliche Wandel ist soziale Realität! Doch der Reihe nach: Über mehrere Jahre hat das Werteforschungs-Institut "American Life" in allen Bundesstaaten der USA Befragungen durchgeführt. Das war in den 1990er Jahren. Und das Wort Paradigmenwechsel war damals eines der meist benutzten Fremdworte. Die Wortwurzel stammt aus dem Griechischen: para – darüber hinaus, deigma – Muster. Die Menschen dachten und handelten über bestehende Muster hinaus. Etwas Neues lag in der Luft. Das war spürbar und erkennbar. Doch – was? Daher die Forschungsarbeit von American Life.

Ich war nicht dabei, doch … so in etwa muss es gewesen sein, als alle Augen auf jenen Menschen ruhten, die dieses Projekt bei American Life leiteten und nun kommentierten. Die Rede ist vom Professor für Anthropologie Paul Ray und seiner Chef-Assistentin, der Psychologin Sherry Ruth Anderson. Wer sich erinnert, wie wenig ausgezählte Stimmen bei einer Wahl-Hochrechnung genügen, um ein erstaunlich korrektes Resultat vorherzusagen, der kann die Sicherheit nachvollziehen, mit der Paul Ray einen unumkehrbaren Wandel in den Gesellschaften der Ersten Welt präzisierte. Er zeichnete drei Wertekreise:

Die Traditionalisten

Etwa 16 % der Menschen in der Ersten Welt – also in Kanada, USA, Europa – sind Traditionalisten. Die Wertestruktur der Traditionalisten lässt sich mit diesem Satz verdeutlichen: "Es steht geschrieben." Damit haben wir das Bild eines fernen Gottes, den es anzubeten gilt. Und auch zahllose andere Regeln und Gesetze stehen "geschrieben". So wissen die Traditionalisten, was zu tun und was zu lassen ist. Im überzeichneten Bild finden wir hier alle Extremisten und Fundamentalisten.

Die Modernisten

Der weitaus größte Teil der Menschen zählt zu den "Modernisten" – diese machen etwa 50 % aus. Modernisten glauben an das, was sie unter "modernem" Weltbild verstehen. Daher Modernisten. Diese haben die Macht in der Politik, in der Wirtschaft – insbesondere im Banken-Sektor – in der Bildung und im

Die Modernisten

Der weitaus größte Teil der Menschen zählt zu den "Modernisten" – diese machen etwa 50 % aus. Modernisten glauben an das, was sie unter "modernem" Weltbild verstehen. Daher Modernisten. Diese haben die Macht in der Politik, in der Wirtschaft – insbesondere im Banken-Sektor – in der Bildung und im Gesundheitswesen. Sie kontrollieren die Medien und haben das gesellschaftliche Sagen. Die Modernisten bilden das Establishment und sind überzeugt: "Wir werden das Kind schon schaukeln. So heiß, wie gekocht wird, wird nicht gegessen. Katastrophen gab es immer!" Modernisten haben in der Regel keine Realität darüber, dass ihr Weltbild ein Konstrukt ist. Ein Realist schaut – bestenfalls – ungläubig, wenn Sie ihm sagen: "Realität ist eine Erfindung. Deine – auch meine – Wirklichkeit ist … eine Erfindung."
Und vollkommen daneben ist: "Ich glaube nicht an einen neurotischen Gott, der uns den irren Auftrag gab, uns die Natur untertan zu machen, alle Ressourcen zu versilbern mit der leidigen Aussicht, letztlich möglicherweise in der ewigen Hölle zu schmoren."

Die Kulturell-Kreativen

Der Ausdruck stammt von Paul Ray. Ich bezeichne ihn gerne als den Columbus der Kulturell-Kreativen. Er und sein Team haben die KK – wie sie kurz genannt werden – entdeckt. Der Hintergrund war die bewiesene Tatsache, dass in der US-Kultur an allen Ecken und Enden neue, kreative, verblüffende Ideen auftauchten. In der Kultur der Firmen ebenso wie in der Kultur der Beziehungen, der Freundschaften, in der Freizeit – überall! Daher: Kulturell-Kreativ.
Diese Menschen haben ein deutlich verändertes Wertebild. Und es sind soooo viele! Mehr als ein Drittel. Mehr als ein Drittel aller Menschen in der Ersten Welt. Tendenz steigend. Denn die EU hat in den frühen 2000er Jahren diese Befragung in sehr viel kleinerem Rahmen auch durchführen lassen.

Die zwei großen Strömungen der Kulturell-Kreativen

Die Kulturell-Kreativen lassen sich durch zwei große Strömungen deutlicher unterscheiden: Da sind die "grünen Kulturell-Kreativen" und dort die "integrativen Kulturell-Kreativen". Den ersteren geht es mehr um die Umwelt, um unsere Mitwelt; die Integrativen geben der Erweiterung des Bewusstseins oberste Priorität. Beide Strömungen überlappen sich und sind in etwa gleich groß.
Beiden gemeinsam ist: Sie glauben zutiefst, sie seien eine Minderheit. In gewissem Sinne soziale Exoten. Unverstanden. Das prägendste Belief ist der Glaube an die eigene soziale Machtlosigkeit.

  • Kulturell-Kreative mögen keine Organisationen - und sind daher nicht organisiert.
  • Die Liebe der KK hat sich nicht mit Macht verbunden - daher sind sie ohnmächtig.
  • Diese Ohnmacht fördert eine pseudoerleuchtete Haltung und drückt sich meist in einem eklatanten Geldmangel aus. Dieser ist permanent.
  • "Heilung" ist das zentrale Thema.
Die Menschen innerhalb einer Werte-Szene verstehen die anderen nicht. Es mag die gleiche Sprache sein - doch das Ergebnis ist Verständnislosigkeit. Inneres Kopfschütteln. Eine manchmal erschütternde Sprachlosigkeit!

Agenten der Evolution

Kulturell-Kreative sind dabei, ihre Schattenthemen zu integrieren und in einen Lebenserfolg umzuwandeln. Und zwar auf eine ebenso grandiose wie stille Art. Es beginnt sich die sichtbare Kunst der inneren Transformation zu zeigen. Der innere Reichtum wird kraftvoller im äußeren – auch sozialen – Leben. Die KK wurden die Agenten der Evolution. Und: haben fun-tastische Lösungen parat.

  • Riesig ist die Zahl jener, die sich darin üben, Realität zu steuern; Mitschöpfer zu sein.
  • Wegweisend sind konkrete Möglichkeiten, ko-kreativ mit der Natur zu kooperieren.
  • Nachhaltigkeit wurde ein markant wahrgenommenes Thema, das ein breites Produktsortiment ausgelöst hat. Stichwort: "Lohas" – Lifestyle of health and sustainability. Produkte mit Lifestyle, Gesundheit und Nachhaltigkeit haben aktuell einen enormen Zuwachs. Bei "dm" beispielsweise etwa 60 % im Jahre 2009.
  • Neue Formen des Miteinanders bilden sich – ein größeres WIR wird sichtbar.
  • Wir lernen, mit den Kräften der Seele, mit der Welt des Transzendenten – zu wirken.
  • Nachhaltigkeit wird zunehmend das Kriterium. Ko-Evolution die Lösung.

Fazit:

Immer mehr Menschen zeigen ihr inneres Erleben durch Handlungen. Die Bewegung geht vom Wissen zum Können. Zum Anwenden! Es hat sich ein Feld geformt. Ein Drittel ist davon bewusst berührt. Es werden täglich mehr. Netzwerke bilden Botschaften. Liebe als Kraft und gestaltende Macht bahnt sich einen Weg. Versöhnung ist ein Meisterschlüssel. Menschen beginnen, einander in aller Tiefe als Menschen zu erkennen. Als beseelte Wesen – auf Mutter Erde. Ein Neues Handeln erblüht. Die Zeit ist JETZT.